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Izvorni znanstveni članak

Die Drau – Konfliktstoff in der Vergangenheit - Ziel Europäischer Zusammenarbeit in Gegenwart und Zukunft

Anna Maria Grünfelder ; Austrijsko veleposlanstvo u Zagrebu

Puni tekst: hrvatski, pdf (299 KB) str. 50-73 preuzimanja: 617* citiraj
APA 6th Edition
Grünfelder, A.M. (2006). Drava - izvor sukoba u prošlosti – meta europske suradnje u sadašnjosti i budućnosti. Podravina, 5 (10), 50-73. Preuzeto s https://hrcak.srce.hr/78229
MLA 8th Edition
Grünfelder, Anna Maria. "Drava - izvor sukoba u prošlosti – meta europske suradnje u sadašnjosti i budućnosti." Podravina, vol. 5, br. 10, 2006, str. 50-73. https://hrcak.srce.hr/78229. Citirano 16.10.2019.
Chicago 17th Edition
Grünfelder, Anna Maria. "Drava - izvor sukoba u prošlosti – meta europske suradnje u sadašnjosti i budućnosti." Podravina 5, br. 10 (2006): 50-73. https://hrcak.srce.hr/78229
Harvard
Grünfelder, A.M. (2006). 'Drava - izvor sukoba u prošlosti – meta europske suradnje u sadašnjosti i budućnosti', Podravina, 5(10), str. 50-73. Preuzeto s: https://hrcak.srce.hr/78229 (Datum pristupa: 16.10.2019.)
Vancouver
Grünfelder AM. Drava - izvor sukoba u prošlosti – meta europske suradnje u sadašnjosti i budućnosti. Podravina [Internet]. 2006 [pristupljeno 16.10.2019.];5(10):50-73. Dostupno na: https://hrcak.srce.hr/78229
IEEE
A.M. Grünfelder, "Drava - izvor sukoba u prošlosti – meta europske suradnje u sadašnjosti i budućnosti", Podravina, vol.5, br. 10, str. 50-73, 2006. [Online]. Dostupno na: https://hrcak.srce.hr/78229. [Citirano: 16.10.2019.]

Sažetak
Die Drau berührt auf ihrem Laufe von der Quelle auf dem Toblacherfeld in der italienischen Provinz Bozen (Südtirol) bis zu ihrer Mündung in die Donau vier Staaten: Italien, Österreich, Slowenien und Kroatien. Sie verbindet die drei großen Sprachfamilien und Kulturen: die germanische, romanische und slawische Welt. Dennoch wird sie nicht als europäischer Fluss wahrgenommen und hat auch nicht jenes Interesse bei Künstlern und Literaten gefunden, das der Donau zuteil wurde. Aber wie die Donau, so hat auch die Drau im XX. Jahrhundert eine bewegte Geschichte erlebt: Im Jahre 1918, als Südtirol an das Königreich Italien fiel und dieses am Brennerpass sowie im Pustertal, bei der Osttiroler Ortschaft Sillian die Staatsgrenze zog, wurde der Oberlauf der Drau abgeschnitten. Ein Teil des von Toblach /Dobbiaco bis zur Hauptstadt von Osttirol reichenden Pustertales fiel an Italien. Die Grenze zerschnitt nicht nur den Fluslauf, sondern das historische Tirol. Der Verlust der fruchtbaren Region Südtirol wurde von Österreich, besonders von den Tirolern schmerzlich und als große Ungerechtigkeit der Versailler Friedenskonferenz empfunden, zumal Italien die Südtiroler mit Druck und Gewalt zur Italianisierung zwang. Die Versuche Tiroler Nationaler und „Patrioten“, Südtirol zurückzugewinnen, bei denen sie auch Gewalt anwendeten, bewirkte nur eine Verschärftung der italienischen Repressionsmaßnahmen gegen die deutschsprachigen Südtiroler und einen ernsten Konflikt zwischen Österreich und Italien. Zu seiner Schlichtung musste im Jahre 1961 der UN-Sicherheitsrat angerufen werden. Das von Italien gewährte „Autonomiepaket“ für die Region Trentino – Alto Adige versöhnte die detuschsprachige Südtiroler Bevölkerung mit der neuen Realität. Sie trugen zum italienischen Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg bei und profitierten auch ihrerseits davon, insbesondere als Italien der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) beitrat. Südtirol entwickelte sich in der Folgezeit vom Kernland Tirol weg. Dass es nicht zur gänzlichen Entfremdung zwischen Tirolern kam, ist nicht zum geringsten Teil der verbindenden Kraft der Drau, die das Bewusstsein von der Einheit dieses Raumes zu bewahren half, zu verdanken.
Die Drau war während des XX. Jahrhunderts zweimal Demarkationslinie: nach dem Ersten Weltkrieg, als die Armee des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS) in Kärnten einmarschierte, um das zweisprachige, deutsch-slowenische Gebiet zu besetzen, das slowenische und serbische Nationalisten als Teil des slowenischen Stammlandes bzw. als ehemals slawisch besiedeltes Territorium für den SHS-Staat beanspruchten. Die Friedenskonferenz in Versailles ließ die Kärntner Bevölkerung im Jahre 1920 über ihren Verbleib abstimmen; beide Volksgruppen – die slowenische und die deutsche – entschieden sich mehrheitlich für den Verbleib bei Österreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte Josip BROZ TITO mit dem Einmarsch eines Battaillons der „Armee der Volksbefreiung“ Kärnten südlich der Dau für Jugoslawien zu vereinnahmen, wurde jedoch von der britischen Besatzung zur Aufgabe dieses Planes gezwungen.
Zu Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Drau zum Schauplatz zweier Tragödien: Der Kosakenarmee, die aus Italien flüchtete, aber im Vertrauen darauf, dass die Briten sie nicht an Stalin ausliefern werde, auf dem Lienzer Feld die Waffen streckte und die britische Entscheidung abwartete. Von dort aus wurden die Kommandanten direkt zur Übergabe an die Rote Armee deportiert wurden. Als Nachrichten darüber durchsickerten, begingen zahlreiche Kosakensoldaten mit ihren mitwandernden Familienanghörigen Selbstmord; manche konnten sich durch Flucht in die Berge um Lienz der Auslieferung entziehen. Wer es nicht schaffte, wurde nach der Rückkehr nach Russland zur Zwangsarbeit nach Sibirien verbannt.
Auch die Armeeangehörigen des Unabhängigen Staates Kroatien versuchten die Drau und damit die britische Besatzungszone zu erreichen und kamen bis auf das Bleiburger Feld. Auch in diesem Fall handelte die britische Besatzungsarmee in Kärnten gegen die Bestimmungen der Genfer Konvention für Kriegsgefangene (1929) und lieferte die Angehörigen dieser Armee der Rache der Sieger in Jugoslawien aus.
In Slowenien und in Kroatien ist die Drau ein Synonym für die Tragödie der deutschsprachigen Volksgruppe, für die kollektive Rache Jugoslawiens an den als „Quislingen“ und „Verrätern“ beschuldigten Volksdeutschen. Sie erlitten die Ausbürgerung und die Enteignung ihres Vermögens, wurden in Sammellager zur Vertreibung interniert oder ausgewiesen oder zur Flucht gezwungen. Die Rehabilitierung und die Rückerstattung des enteigneten Vermögens wurden bisher in Slowenien und Kroatien halbherzig und unbefriedigend gelöst.
Die Drau trägt auch die Spuren des Kroatischen Unabhängigkeitskrieges: im Terain drohen noch Minen; die Grenzen zwischen Kroatien einerseits und Serbien – Montenegro sind noch nicht festgelegt.
Wegen all dieser historischen Hypotheken hielt sich in der Kärntner Bevölkerung hartnäckig die Vorstellung von einer Unruhezone südlich der Karawanken. Dies änderte sich auch nicht, als Jugoslawien dem Wiener Staatsvertrag vom 15. Mai 1955 beitrat und damit die Grenzen des neuerstandenen Österreich, jene vom Tag des Erlöschens Österreichs auf der politischen Landkarte (infolge des Einmarsches Hitlerdeutschlands in Österreich – 13.März 1938) anerkannte. Territoriale Ansprüche musste (und muß) Österreich von seinem/seinen südlichen Nachbarn seither nicht mehr fürchten, ganz besonders nicht seit Slowenien und Kroatien völkerrechtlich anerkannte Staaten sind, die sich zu den Grundlagen des Völkerrechtes, zu Unverletzlichkeit der Grenzen, gewaltloser Konfliktlösung und Rechtsstaatlichkeit bekennen.
Die Herausforderung, welche der Raum südlich der Karawanken heute an Österreich stellt, sind die gleichen, mit denen sich der ganze europäische Kontinent, ja die gesamte globalisierte Welt auseinandersetzen müssen: Die drohende Umweltverschmutzung und Zerstörung des natürlichen Lebensraumes sind nur eines der weltumspannenden Probleme, aber ein sehr wesentliches, handelt es sich doch um die vitalen Notwendigkeiten einer menschenwürdigen Existenz. Von der erfolgreichen Bewältigung hängt es ab, ob die Menschen in ihrer angestammten Heimat eine lebenswerte Existenz genießen oder sich zum Verlassen ihrer Heimat genötigt sehen. Die Republik Kroatien und die Republik Slowenien haben vom Vorgängerstaat ein unheilvolles Erbe wirtschaftlicher Fehlentscheidungen und vernantwortungslosen Umgangs mit natürlichen Ressourcen und Volksvermögen übernommen. Daher belasten heute die bilateralen Beziehungen der beiden neuen Republiken mit Östererich und den anderen Nachbarstaaten ein sicherheitstechnisch problematisches und administrativ konfliktträchtiges Kernkraftwerk (Krško), die Endlagerung des Atommülls, Wasserkraftwerke mit fragwürdiger Umweltverträglichkeit in grenznahen Bereichen, Hochwasserschutz, mangelnde Transparenz bei Katastrophenfällen u.ä. Die Sorge um eine umweltverträgliche Entwicklung, die langfristige Gewährleistung der Versorgung mit Energieträgern und die Sorge um Lebensqualität sind heute prioritäre Aufgaben aller Regierungen im Drauraum. Im vorliegenden Artikel setzt sich die Autorin mit der Erfüllung dieser Aufgaben auseinander und misst an ihnen die Qualität der Beziehungen im Drauraum heute.

Ključne riječi
Draufluss; grenzueberschreitende Zusammenarbeit; nachhaltige Entwicklung; Wasserkraftwerke; Nationalparks; Euroregionen

Hrčak ID: 78229

URI
https://hrcak.srce.hr/78229

[hrvatski]

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