Filologija, No. 84, 2025.
Original scientific paper
https://doi.org/10.21857/m16wjclo39
Die Restandardisierung der kroatischen Sprache durch die Schule der kroatischen ‘Vukovci’ im Kontext des kroatischen literarischen und sprachwissenschaftlichen Erbes sowie der kroatischen Dialekte
Nataša Bašić
Abstract
Der Ansatz der ‘Vukovci’, d.h. der Angänger von Vuk Stefanović Karadžić, zur standardkroatischen Sprache wird übersichtlich in seinen zentralen Etappen über zwei Jahrhunderte hinweg dargestellt – von der ersten vukovschen Generation, die zur Zeit des Illyrismus heranwuchs, bis zur zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und zwar auf zwei Ebenen: der linguistischen und der soziolinguistischen. Die Eingriffe auf sprachlicher und orthographischer Ebene an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert werden als Restandardisierung der kroatischen Sprache und Orthographie interpretiert. Es wurden die Instrumente der Sprachpolitik untersucht, mit deren Hilfe diese Eingriffe durchgeführt wurden.
Auf die Herausbildung einer eigenständigen standardkroatischen Sprache und Orthographie hatte die vukovsche Richtung einen mehrfach negativen Einfluss. Sie verlangsamte den Prozess des autonomen Aufbaus der kroatischen Sprache, lenkte ihren natürlichen Entwicklungsgang um und verarmte ihre Ausdrucksmöglichkeiten in morphologischer, wortbildender, lexikalischer und orthographischer Hinsicht, während sie zugleich eine Kluft zwischen der propagierten kanonischen neuštokawischen Standardgrundlage und der kroatischen Gebrauchsnorm schuf, an deren Gestaltung alle drei kroatischen Literaturdialekte aktiv mitgewirkt hatten.
Die ‘Vukovci’ standen in Opposition zur Zagreber philologischen Schule und den von ihr propagierten Standardisierungsprinzipien, die in den 1860er-Jahren in der kroatischen Kultursphäre im Raum des Dreieinigen Königreichs (Kroatien, Slawonien, Dalmatien) gefestigt worden waren. Diese Schule hatte eine moderne kroatische Standardsprache mit einer elastisch stabilen grammatischen und orthographischen Norm aufgebaut, die auf dem jahrhundertelangen kroatischen Sprach- und Orthographieerbe beruhte. Ihre Hauptmerkmale waren laut Ham (1998) eine štokavische ijekavische Dialektbasis mit dem einsilbigen Diphthong /e/ an der Stelle des alten Jat in langen Silben, der mit dem Digraphen ie wiedergegeben wurde, sowie in kurzen Silben die phonemische Folge /je/; in der Morphologie der Nominalwörter ältere differenzierte Kasusendungen der pluralischen Substantiv- und Adjektiv-Pronominaldeklination; die Unterscheidung der Dativendung (-omu/-emu) und der Lokativendung (-om/-em) in der Singularform der Adjektiv-Pronominaldeklination; die enklitische Form ju des Pronomens ona im Akkusativ Singular; der Gebrauch der Präposition prema/prama mit dem Dativ; in der verbalen Morphologie die Deklination des Partizips; sowie in der Schrift eine gemäßigt morphonologische Orthographie, die in der damaligen Fachterminologie als etymologisch oder wurzelbezogen bezeichnet wurde.
Keywords
Zagreber philologische Schule, Vukovci, Restandardisierung, Sprachpolitik
Hrčak ID:
339773
URI
Publication date:
24.11.2025.
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