Review article
https://doi.org/10.31727/m.28.4.1
Die Qualität von Fleisch und die Idee der Schlachtung: wie lässt sich das scheinbar Unvereinbare in Einklang bringen?
Beniamino Cenci-Goga
orcid.org/0000-0002-3993-6258
; University of Perugia, Faculty of Veterinary Medicine, Perugia, Italy
*
* Corresponding author.
Abstract
Mehr als ein Jahrhundert nach Upton Sinclairs „Der Dschungel“ nehmen Schlachthöfe in der öffentlichen Debatte weiterhin eine schwierige symbolische Stellung ein, obwohl sich die technologischen, hygienischen und regulatorischen Rahmenbedingungen der modernen Fleischproduktion grundlegend verändert haben. Moderne Schlachthöfe sind hochgradig organisierte industrielle Umgebungen, in denen Tierschutz, Lebensmittelsicherheit, Schulung des Personals und Rückverfolgbarkeit durch festgelegte Verfahren und behördliche Kontrollen gewährleistet werden. Gleichzeitig bleibt das Schlachten ethisch umstritten, da es an der Schnittstelle zwischen menschlicher Ernährung, Tierschutz, Religionsfreiheit und Verbraucherautonomie liegt. Dieser Beitrag erörtert, wie sich das Konzept der Fleischqualität über physikalisch-chemische und hygienische Eigenschafen hinaus auf soziale, ethische und informative Dimensionen ausgeweitet hat, insbesondere in Bezug auf Schlachtmethoden und Verbrauchererwartungen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der rituellen Schlachtung in Europa und Italien, wo die Schlachtung ohne vorherige Betäubung im Rahmen spezifscher Ausnahmeregelungen für religiöse Riten weiterhin gesetzlich zulässig ist, während in der Öffentlichkeit weiterhin Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf das Tierwohl und der Vermarktung von Fleisch dieser Tiere auf dem konventionellen Markt bestehen. Daten aus Schlachthöfen werden zudem als epidemiologisches und tierschutzbezogenes Beobachtungssystem betrachtet, das Informationen zu Schlachtkörperläsionen, Ausschuss, Kontaminationswegen, Antibiotikaresistenzen und zoonotischen Risiken liefern kann, die sowohl für die veterinärmedizinische öffentliche Gesundheit als auch für das Management von Lebensmittelunternehmen relevant sind. Der Beitrag argumentiert, dass die Überwindung des offensichtlichen Widerspruchs zwischen Schlachtung und Tierschutz keine rhetorische Vereinfachung erfordert, sondern einen strengen, evidenzbasierten Rahmen, in dem Tierschutzindikatoren, Prozesshygiene, Rückverfolgbarkeit und transparente Informationen mit kulturellem und religiösem Pluralismus koexistieren.
Keywords
Fleischqualität; Schlachthof; Tierschutz; rituelle Schlachtung; Kennzeichnung; Fleischkontrolle; Lebensmittelsicherheit; Rückverfolgbarkeit
Hrčak ID:
349755
URI
Publication date:
25.7.2026.
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