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Izvorni znanstveni članak

Suhopolje – Kliškovac. Vom Toponym zur archäologischen Erkenntnis!

Željko Tomičić   ORCID icon orcid.org/0000-0002-6780-1887 ; Institut za arheologiju, Zagreb

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APA 6th Edition
Tomičić, Ž. (2009). Suhopolje – Kliškovac: Od toponima do arheloške spoznaje!. Starohrvatska prosvjeta, III (36), 229-245. Preuzeto s https://hrcak.srce.hr/81261
MLA 8th Edition
Tomičić, Željko. "Suhopolje – Kliškovac: Od toponima do arheloške spoznaje!." Starohrvatska prosvjeta, vol. III, br. 36, 2009, str. 229-245. https://hrcak.srce.hr/81261. Citirano 23.06.2021.
Chicago 17th Edition
Tomičić, Željko. "Suhopolje – Kliškovac: Od toponima do arheloške spoznaje!." Starohrvatska prosvjeta III, br. 36 (2009): 229-245. https://hrcak.srce.hr/81261
Harvard
Tomičić, Ž. (2009). 'Suhopolje – Kliškovac: Od toponima do arheloške spoznaje!', Starohrvatska prosvjeta, III(36), str. 229-245. Preuzeto s: https://hrcak.srce.hr/81261 (Datum pristupa: 23.06.2021.)
Vancouver
Tomičić Ž. Suhopolje – Kliškovac: Od toponima do arheloške spoznaje!. Starohrvatska prosvjeta [Internet]. 2009 [pristupljeno 23.06.2021.];III(36):229-245. Dostupno na: https://hrcak.srce.hr/81261
IEEE
Ž. Tomičić, "Suhopolje – Kliškovac: Od toponima do arheloške spoznaje!", Starohrvatska prosvjeta, vol.III, br. 36, str. 229-245, 2009. [Online]. Dostupno na: https://hrcak.srce.hr/81261. [Citirano: 23.06.2021.]

Sažetak
In seinem beitrag gibt der Autor ein zusammenfassendes Bild der Ergebnisse systematischer archäologischer Untersuchungen, die, durch die Analyse der Toponyme angeregt, ein bedeutender Bestandteil langjähriger wissenschaftlicher Forschungsbestrebungen des Jubilars und Akademikers Stjepan Gunjača waren. Einleitend folgen einige grundlegende Angaben zu Bedeutung und Verbreitung der Toponyme des Typus Klisa. Die Verbreitung des Toponyms Klisa in den europäischen und asiatischen Gebieten wies die Philologen schon längst auf die Tatsache hin, dass es sich um die Modifikation eines älteren sprachlichen Musters handelt! Der Erläuterung des Sprachwissenschaftlers Petar Skok zufolge, wird aus dem griechischen έκκλησία > und lateinischen ecclēsia “Versammlung”, (Abstraktum Gr. έκκαλέω “ich berufe ein”), d.h. dem panromanischen Gräzismus, das Wort gebildet, welches “eine Kirche” bezeichnet. Dieses Wort verbreitete sich im Laufe des Siegeszuges des Christentums auch im Mittelmeerraum, vor allem im romanischen Sprachraum, wo wir unterschiedlichen Varianten begegnen. Das türkische Wort Kilisâ, das Kirche bedeutet, wurde von der älteren verbliebenen griechischen Sprachgrundlage abgeleitet, die in der historischen Realität noch zu Beginn der türkischen Eroberungszüge in Kleinasien, also im griechischen Sprachraum auf dem Territorium des einstigen Byzantinischen Reiches, vorgefunden worden war. Mit der Eroberung der Balkanhalbinsel und der übrigen vom Ottomanischen Reich besetzten Territorien verbreitete sich dieses Toponym auf bedeutende Teile Europas, genau genommen bis zu den westlichen Grenzen der Türkei, die in ihrer spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Ausdehnungen tief in das spätmittelalterliches Kroatien reichen. Den Toponymen Kilisa und Klisa begegnen wir als räumliche Orientierungspunkte immer an den Standorten, wo die Eroberer christliche Kultstätten vorfanden. Der Erörterung folgt eine kurze Darstellung der archäologischen interdisziplinären Forschungen und Erkenntnisse, die am Standort Kliškovac in Suhopolje in der Zeit von 2005 bis 2009 gewonnen wurden. Die Vermutung, dass ein mittelalterlicher Friedhof und der Teil des Grundrisses einer baulichen Anlage – Kirche mit drei kontinuierlichen Bestattungshorizonten aus der Mitte des 11. Jahrhunderts, wahrscheinlich seit der Zeit der osmanischen Bedrohung – bestanden, wurde bestätigt. Es wurde der rechteckige nördliche Raum definiert, deren südliche Mauerteile während des Baus der Eisenbahnstrecke Ende des 19. Jahrhunderts eingeschnitten worden sind. Des Weiteren wurden 2008 bedeutende architektonische Bauteile, die sich über eine große Fläche des benachbarten Grundstücks südlich der Eisenbahn erstrecken, definiert. Geophysische Untersuchungen und eine archäologische Feldbegehung ergaben deutliche Spuren eines großen Denkmalkomplexes, das mit dem bisher untersuchten Segment in logischer Verbindung steht. Innerhalb des südlichen Komplexes finden sich auch Spuren von Gräbern, die mit geophysischen Methoden nachgewiesen werden konnten. Grabanlagen wurden innerhalb der Grundrisse der nördlichen und südlichen Räume, aber auch darunter entdeckt. Also während der Zeit, als die Kirche in Benutzung war, aber auch bereits vor ihrem Bau. In 145 Grabanlagen, die bis zum Jahr 2009 freigelegt wurden, und von denen nur ein Teil ausgegraben und untersucht wurde, wurden zahlreiche bewegliche Funde entdeckt. Diese weisen auf einen bestimmten Zeitrahmen hin, in dem Bestattungen stattgefunden haben. Es handelt sich um den Zeitabschnitt 11. bis 14. Jahrhundert, der im Laufe weiterer Untersuchungen durch neue Erkenntnisse ergänzt werden dürfte. Einige bewegliche Funde, insbesondere die wertvolle, mit florealen Verzierungen dekorierte Metallecke eines Buchumschlags, haben ihre Analogien in den Fundbeständen der kroatischen spätmittelalterlichen Fundorte in Ilok, im Palast der Fürsten von Ilok, in Ružica grad in Orahovica, Sotin, Čepin, im Benediktinerkloster des Hl. Michaels in Rudina bei Požega sowie in den benachbarten ungarischen Standorten. Anhand der Analogie lässt sich dieser Fund mit Zuverlässigkeit in die siebziger Jahre des 15. Jahrhunderts datieren, was auch das Bestehen des sakralen Komplexes und des dazu gehörenden Gräberfeldes unmittelbar zeitlich verlängert. Als bewegliche Unikatfunde lassen sich Folgende klassifizieren: Münzen, Ziergegenstände (Ringe mit einer S-Schleife, korbförmige granulierte Dreibeerenohrringe, Siegelringe, in Granulationstechnik gefertigte Ringe mit eingefügtem Stein, Gürtel- und Mantelfibeln) sowie Gebrauchsartefakte (gotischer Schreinschlüssel, Bohrer), Waffen (Pfeile, Haukeule, Sporn), spätmittelalterliche Keramik und steinerne dekorative Kirchenplastik von einem Fenster (mit Doppelbogen), ferner ein Fragment des gotischen Verputzes mit Bemalungsspuren. Zahlreiche geschmiedete Eisennägel bestätigen die Existenz einer hölzernen Dachkonstruktion des freigelegten Teils des Baus. Dieses reiche Fundrepertoire, zu dem neuerdings auch der besonders wertvolle bioanthropologische Fund eines an Gräbern relativ reichen Gräberfeldes gehört, wird gegenwärtig gründlich bearbeitet, konserviert und für die Veröffentlichung in einer Monographie, die auch interdisziplinäre Anlagen beinhalten soll, vorbereitet. Anschließend stellt der Autor in chronologischer Reihenfolge die archäologischen und historischen Umrisse der näheren Umgebung des Fundortes dar und ist bestrebt, ein Bild des freigelegten Fundortes zu skizzieren und auf seine Bedeutung in der vorosmanischen Zeit hinzuweisen. Dass der mittelalterliche Fundort Kliškovac existierte und der Entstehung von Terezovac, beziehungsweise von Suhopolje voranging, konnte nachgewiesen werden. Der Beginn des Lebens in dieser Siedlung reicht – wie die Entdeckung des Gräberfeldes und der Kirche andeuten – sicherlich in das 11. Jahrhundert zurück. Jedoch dürfte das ursprüngliche Dorf noch im 10. Jahrhundert bestanden haben, denn die Bestattungen im ältesten Gräberfeldhorizont hatten Ende des 10. und Anfang des 11. Jahrhunderts begonnen. Wann die Bestattungen erstmals nicht mehr vorgenommen wurden, lässt sich nur vermuten. Wahrscheinlich endeten diese infolge der mongolischen Invasion 1242. Diese Dichotomie im Leben der Dorfgemeinschaft, beziehungsweise bei der Bestattung im Skelettreihengräberfeld einer Sippe, wird durch den Fund des bereits erwähnten Salzburger Friesacher aus Terezovac-Suhopolje, beziehungsweise vor allem der Friesacher Pfennige aus Gaćište, belegt. Mit dem Rückzug der Mongolen (1242) nach der blutigen aber kurzen Episode in der Geschichte Europas, änderte sich während der Herrschaft des ungarisch- kroatischen Königs Bela IV. und seiner Erben das Leben im verwüsteten Königreich und somit auch in der Siedlung, die wir später unter dem Toponym Kliškovac kennen lernen. Die geschichtlichen Quellen geben keine Auskunft über den Namen der Siedlung, was die Vorstellung von diesem damals sicherlich bedeutenden Zentrum, das Ende des 13. und auf jeden Fall Anfang des 14. Jahrhunderts, einen Sakralbau erhielt, erschwert. In der Kirche (lat. ecclesia) und um sie herum befand sich das Gräberfeld, das eine beachtenswerte Bestattungsdichte aufweist. Die Siedlung behielt einen Teil ihres Namens bei, der sich in der Endung vac im späteren Toponym Kliškovac wiederfindet. Diese Endung belegt die Existenz eines ves, d.h. eines Dorfes. Der systematische Wiederaufbau und das Aufblühen des Gebietes erfolgten sehr wahrscheinlich während der Herrschaft der Könige aus dem Königshaus Anjou und Sigismund von Luxemburg. Damals veränderte sich auch das Leben in der Siedlung, die sich neben dem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt in der Podravina befand. Die günstige Lage der Siedlung spiegelte sich wohl auch im zunehmenden Handel wider, was die relativ häufigen, vielfältigen und reichen Funde in den Grabanlagen bestätigen. Mit großer Sicherheit können manche Fundstücke in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts bis zu den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts datiert werden. Die zweite Welle der Siedlungszerstörung wird mit der wachsenden Osmanengefahr in Verbindung gesetzt; d.h. im untersuchten Gebiet bis Mitte des 16. Jahrhunderts. Die Masse der türkischen Eroberungen nach dem Sieg bei Mohács im Jahr 1526 lässt vermuten, wie gewaltig die Türken in das Zwischenstromgebiet der Drau und Save eindrangen. Vor der endgültigen Eroberung von Našice und Virovitica in 1552 wurde das untersuchte Gebiet kontinuierlich von den neuen Eroberern bedroht und sicherlich mehrmals verwüstet. Schon die Tatsache, dass der Verkehr entlang der Podravina-Route überwiegend unterbrochen war, musste das Leben der Gemeinschaft, deren geistiges und materielles Leben, beziehungsweise den demographischen und soziologischen Aufbau, die die Archäologie bestrebt ist zu erforschen, beeinflusst haben. Daher sind die einheitlichen Funde der Architektur und des Gräberfeldes aus der sogenannten vorosmanischen Periode – wenn auch nur in Segmenten freigelegt – für die Rekonstruktion des Lebens im Mittelalter im untersuchten Teil des kontinentalen Kroatiens von außerordentlicher kultureller und historischer Bedeutung. Der Fundort belegte zugleich den starken Zusammenhang zwischen Philologie und Archäologie, und weist auf das Vorkommen des spezifischen Horizontes der Toponyme des Typus Klisa hin, das ein Bild von dem Reichtum des geistigen Lebens auf dem Gebiet des mittelalterlichen Slawoniens, aber auch des breiteren Teil Europas gibt, welches jedoch durch die neuen Eroberer – den Türken – überschichtet wurde. Dieser Zusammenhang zwischen verschiedenen Geisteswissenschaften und sonstigen Bereichen soll anhand des genannten Beispiels und ähnlicher Beispiele vertieft dargestellt werden. Im Jahre 2008 wurde auch die Existenz eines Teils der Siedlung nachgewiesen. Genaugenommen wurden in der Schicht oberhalb der mittelalterlichen Gräber und des dazu gehörenden Sakralkomplexes mehrere Abfallgruben sowie ein in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts datiertes Wohnobjekt mit einem Herd und Überresten einer Holzkonstruktion freigelegt. Schon die Forschungen in den vergangenen Jahren – Feldbegehungen als auch geophysikalische Aufnahmen und Analyse anhand der Ferndeutung – deuteten auf die Nähe einer Siedlung hin. Wie das Leben in dieser Siedlung Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts aussah, kann anhand der Bestände der Grabanlagen, die den jüngsten, dritten Bestattungshorizont am Standort Kliškovac bilden, spiegelbildlich rekonstruiert werden. Hinzu kommt auch die Analyse und Datierung der anthropologischen Funde. Zum Beispiel brachte Kliškovac den Fund eines Silberpfennigs des bayerischen Herzogs Henrik IV. (1390–1450) zutage, denen wir auch im benachbarten Slowenien begegnen. Der Geldverkehr belegt das Bestehen des damals üblichen Fernhandels. Die zweite Welle der großen Kriegsunruhen und demographischen Bewegungen in Slawonien, hervorgerufen durch die bereits erwähnte osmanische Gefahr, wurde anhand von Gegenständen – Kollektivfunde von Münzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert – nachgewiesen, die gerade von Terezovac-Suhopolje stammen. Zwei Geldhorte, die die Existenz eines bedeutenden Handelszentrums entlang der Podravina- Verkehrsstrecke und den dazu gehörenden Verkehrsknotenpunkt bestätigen, wurden 1916 auf dem Besitz der Grafen Janković in Suhopolje (Terezovac) freigelegt. Dieser Schatz, bestehend aus ungarischen Denari aus der Periode von Matthias I. Corvinus (1456–1490) bis János Zápolya (1526 –1540), sind zuverlässige Zeichen für die Zeit der Unruhen und der Zerstörung des spätmittelalterlichen Slawoniens und seines hier untersuchten Gebietes Podravina, in dem sich damals die Siedlung befand. Im 18. Jahrhundert, nach der Befreiung Slawoniens, entstand in der Nähe der uralten Siedlung – der Stadt Kliškovac oder der Türkischen Stadt – ein neues Zentrum des wiederhergestellten Lebens, angeregt durch die Kolonisierung und die Errichtung des Schlosses der Grafen von Janković und der Kirche der Hl. Teresa von Ávila. Wiederum gab der Patronymik (Hagionym) der Kirche den Namen der Siedlung Terezovac, aber im Volk blieb auch die alte Bezeichnung Suhopolje, wo sich der Standort Kliškovac befindet, bewahrt. Vor Überschwemmungen der benachbarten Wasserläufe sowie der Niederschläge war diese natürliche Insel, die höher als das heutige Gemeindezentrum liegt und Ursprung des heutigen Suhopolje ist, geschützt. Das Alter dieses Suhopolje reicht in das 10. Jahrhundert zurück und belegt die andauernde Kontinuität des Lebens bis zum 16. Jahrhundert, dessen Lebensfaden für längere Zeit unterbrochen war.

Ključne riječi
Suhopolje – Kliškovac; Toponymie; Archäologie; Mittelalter; Gräberfeld; Kirche

Hrčak ID: 81261

URI
https://hrcak.srce.hr/81261

[hrvatski]

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