Historical Journal, Vol. 43 , 1990.
Original scientific paper
ANTEIL UND ROLLE DES HOTEL LAMBERT IN DER SERBISCHEN POLITISCHEN KRISE 1842—1843
Antoni Cetnarowicz
Abstract
Die Tätigkeit auf dem Balkan des Hotel Lambert, einer liberal-konservativen Fraktion der polnischen Emigration, muß im Rahmen der gesamten Ostpolitik dieser Gruppe betrachtet werden. Die Lösung der »Ostfrage«, eines der wichtigsten Probleme der europäischen Politik des 19. Jhs. würde — der Meinung des Fürsten Czartoryski zufolge — die Möglichkeit bieten, die Unabhängigkeit Polens wiederherzustellen. Deshalb muß auf die Frage geantwortet werden, was für einen Einfluß und Bedeutung die Tätigkeit der polnischen Emigration in Bezug auf die Verwirklichung ihrer langfristigen Interessen ausübte, bis zu welchen Maße diese Wirkung auf die internationalen Verhältnisse in Südosteuropa Einfluß ausübte und in welchem Maße die die Entwicklung der polnischen Frage beeinflußte.
Die Verdienste des Hótel Lambert für die Entfaltung des nationalen Bewußtseins bei den Serben, aber auch bei den übrigen südslawischen Völker ist evident. Die politischen Programme, die die Gruppe um Fürst Czartoryski ausarbeitete, haben viel dazu beigetragen, daß ein moderner Staat bei den Südslawen aufgegebaut werden konnte. Ein auseinanderdriften der polnischen und der serbischen Politik in bezug auf die Beziehungen zur Türkei war jedoch unumgänglich. Das Hotel Lambert suchte durch Vermittlungen die labile Souverenität der Hohen Pforte aufrechtzuerhalten, weil es darin eine Garantie vor den russischen und österreichischen Übergriffen auf Serbien sah. Dabei wurde die jahrhundertealte Animosität des Volkes in Serbien gegenüber der Türkei, das Verhältnis der breiten Volksmassen zu Rußland, bedingt durch die religiösen Bindungen, wie auch die doppelbödige türkisch Politik, die doch vor territorialen Verlusten in Angst war, außer Acht gelassen.
Obwohl die Tätigkeit des Hotel Lambert zeitweilig den russischen Einfluß in Serbien reduzierte und Serbien näher an Polen und den Westen heranbrachte, wurde das Hauptziel verfehlt: die Übernahme der geistigen Führung bei den Südslawen. Deshalb wird der Schwerpunkt der Tätigkeit gegen einen anderen gemeinsamen Feind — die Habsburger Monarchie — gerichtet. Die Wirkung der Gruppe Czartoryski wird in großen Maße von dem Standpunkt der westlichen Großmächte bestimmt. Die haben nun wieder ihr Engagement im Hinblick auf die Ganzheit der Ostfrage bestimmt, aber auch in Abhängigkeit von dem Verhältnis zur polnischen Frage. Die serbische Krise 1842—1843 zeitigte keine größeren Folgen für die Weiterentwicklung der Ostfrage, Rußland sowie Österreich, besorgt wegen der Entwicklung der nationalen Bewegungen, gelag es, die führende Rolle auf dem Balkan beizubehalten und sich mit Erfolg der polnischen Diplomatie zu widersetzen. Das Zurückziehen eines Teils der serbischen Politiker aus der Zusammenarbeit mit den Polen zwang diese Gruppe, 1845 ihr Hauptaugenmerk auf die in der österreichischen Monarchie lebenden Slawen zu lenken. Der Mangel an entsprechenden Mitteln, die Überschätzung der Kraft der serbischen nationalen Bewegung und vor allem die ungenügende Unterstützung des Westens waren die Gründe, weshalb die polnische Tätigkeit in Serbien in den Jahren 1842—1843 nicht die wichtigsten in sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat.
Keywords
Hrčak ID:
326648
URI
Publication date:
1.3.1991.
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