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DER GESCHICHTSSCHREIBER UND ETHNOGRAPHISCHE QUELLEN

Elinor Murray Despalatović


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str. 225-237

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Sažetak

Sowohl die Wirtschaftgeschichte als auch die politische Geschichte Kroatiens und Slawoniens in der Zeit zwischen 1880 und 1918 ist bereits zu einem Großteil in der wissenschaftlichen Literatur bearbeitet, das Bauerntum blieb jedoch von der systematischen Erforschung irgendwie ausgeklammert. In dieser Zeitspanne wird das Dorf zwar modernisiert und einige Formen der materiellen Kultur dadurch verändert, der Kern des Lebens der Landbevölkerung wird dadurch jedoch kaum gestreift, weil die Bauern auch weiterhin in ihrer Tradition, Weltanschauung und mit ihren Institutionen leben, in einem etwas engeren Kontakt mit der städtischen, also nichtbäuerlichen Welt, aber immer noch außerhalb derselben.
Die Entwicklung der Gesellschaftsgeschichte in den letzten Jahren hat die Kenntnisse und Brennpunkte des Interesses der Historiker erweitert, so daß auch ein ganz neuer Zutritt zur Geschichte des Bauerntums gefunden wurde. Die Geschichte des Bauerntums zu schreiben stellt für den Historiker eine besondere Aufgabe dar, weil er sich nur auf wenige Quellen stützen kann. Die Bauernkultur wird auf mündliche Art tradiiert, die wenigen geschriebenen Quellen wurden von Nicht -Bauem verfaßt, die nur dasjenige aufzeichneten, was sie für interessant erachteten.
Eine wichtige Quelle für die Geschichte des Bauerntums in Jugoslawien stellt die »Osnova za sabiranje i proučavanje grade o narodnom životu« (Grundlage zur Sammlung und zum Studium des Materials über das Volksleben) dar, die Radić verfaßt und in Nummer 2 der ethnographischen Zeitschrift »Zbornik za narodni život i običaje južnih Slavena« (Sammelband für das Bauernleben und -brauchtum der Südslawen) 1897 veröffentlicht hat. Dieses wichtige Dokument umfaßt 88 Seiten, wovon etwa 50 auf Fragen entfallen, aufgrund derer Angaben über das Leben auf dem Land gesammelt werden sollten. Die Forscher, die aufgrund dieser »Grundlagen« gearbeitet haben, waren keine Fremden, sondern schriftkundige Ortsangesessene: Bauern, Geistliche, Volksschullehrer, junge Menschen, die in der Stadt zur Schule gingen. Die Studien sollten im Dialekt des betreffende Ortes abgefaßt sein. Die umfangreichste beläuft sich sogar auf 10.000 Seiten, im Durchschnitt sind sie jedoch 200 bis 600 Seiten lang. Sie stellen in ersten Linie einen Direktbericht über das Leben in einer kleinen Gemeinschaft dar, führen den Geschichtsschreiber sozusagen in die Häuser der Bauern ein, lüften die Schleier von verborgenen Lebensabschnitten, machen Angaben, die nur von einem Mitglied dieser Gemeinschaft stammen können.
Auf dem Gebiet der Geschichte des Bauerntums berühren und überlappen sich die Interessen der Historiker, Ethnologen und Anthropologen. Der Historiker befaßt sich vielleicht etwas mehr mit den Fragen der Änderungen, der Volkskunder und der Anthropoüoge mit den Fragen der Beständigkeit und der Tradiierung fester Formen, in ihrer Forschungsarbeit ergänzen sie sich jedoch gegenseitig.
Bei der Arbeit an den »Grundlagen« zeigt es sich sehr deutlich, daß der Bauer seine Subkultur hat. Diese Erkenntnis weist darauf hin, wie vielschichtig der Modernisierungsprozeß bei den Bauern in Wirklichkeit war.

Ključne riječi

Hrčak ID:

326956

URI

https://hrcak.srce.hr/326956

Datum izdavanja:

1.4.1988.

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