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ARCHÄOLOGISCHE ANGABEN ALS QUELLEN FÜR DIE WIRTSCHAFTSGESCHICHTE ISTRIEN IM ALTERTUM

Robert Matijašić


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str. 41-59

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Der chronologische Rahmen für diesen kurzen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung Istriens ist einerseits durch die Einbindung der Halbinsel in das Leben des Römischen Reichs nach der Eroberung im Jahre 177 v. Chr., bzw. nach der Gründung der Kolonie in Pula etwa um das Jahr 45 v. Chr. und andererseits durch den zeitlich viel schwieriger zu bestimmenden Übergang in die Spätantike gegeben.
Die geographische Lage Istriens, dort wo die Apenninen in den Balkan übergehen, stellte eine ideale Voraussetzung für die Entwicklung der Wirtschaft im Altertum dar. Füg man dem noch die Naturgegebenheiten hinzu, d. h. die reich gegliederte, flache Westküste, die der Pomündung bzw. der Niederung Norditaliens zugewandt ist, ferner die günstige Lage bezüglich der Seefahrstwege, wird es klar, weshalb ein Großteil der Halbinsel zum administrativen, wirtschaftlichen und kulturellen Bestandteil Italiens oder mit anderen Worten der zehnten Region des Augustus wurde.
Aufgrund der Naturgegebenheiten, der archäologischen Funde und der Angaben von Plinius dem Älteren, Marcialus und Kassiodorus darf man annehmen, daß den größten Reichtum Istriens das Olivenöl darstellte, das seiner Qualität nach den zweiten und dritten Platz mit dem spanischen Öl gleich nach demjenigen aus Venafra in Kampanien teilte.
Die Weinherstellung stand auf Rang zwei einer präsumptiven Rangliste der landwirtschaftlichen Produktion Istriens im Altertum. Wein wurde höchstwahrscheinlich überwiegend für den Eigenbedarf produziert, weil er in Qualität und Quantität einem Vergleich mit den zahlreichen italischen, in den antiken Quellen erwähnten Sorten nicht standhalten konnte.
Ähnlich war die Situation mit dem Getreide. Es ist anzunehmen, daß Getreide nur für einen lokalen Markt gezüchtet wurde, oft oder fast immer in Kombination mit Olivenhainen, Obstgärten u. ä., was zeitweilig bestimmt Importe aus Norditalien notwendig machte. Von der Gemüse- und Obstzucht kann nur angenommen werden, daß sie auf eine Produktion für den Eigenbedarf beschränkt war neben einem Verkauf kleiner Überschüsse auf lokalen Märkten.
Trotz der Orientierung der Westküste Istriens auf die Meeres- und Fischereiwirtschaft kann darüber nicht mehr als einige sehr allgemeine Anmerkungen gesagt werden. Das Fehlen der geschriebenen Quellen wird nur im geringen Maße durch seltene und unzulängliche archäologische Funde ersetzt: Reste von Fischteichen, Reste von Hafenanlagen, Reste von Fischereigegenständen sowie Reste von Schalentieren in den archäologischen Schichten in den Städten und den Fundorten langs der Küste. Die Muschelzucht war mit der Arbeit von Tuchfärbereien verbunden, deren Reste auch an der jugoslawischen Küste (Pula, Brijuni) zu finden sind.
Das Handwerk ist in Istrien in erster Linie durch die Töpferei die Steinbearbeitung und vielleicht durch die Herstellung von Gegenständen aus Glas vertreten. Obwohl es in Istrien nicht viel Tonerde gibt, gab es dort Werkstätten und Öfen zur Herstellung von Amphoren und Dachziegeln sowie für Töpfereiwaren für den Haushalt.
Im Rahmen der allgemeinen Wirtschaftsgeschichte ist die Frage des Verhältnisses von Stadt und Land im Altertum besonders interessant, sowohl wegen des reichhaltigen Studienmaterials als auch wegen der spezifischen Resultate, die die Symbiose der römischen und der bodenständigen Zivilisation dem Früh- und Spätmittelalter vererbt hat. Neben der dreischichtigen Teilung der organisierten Siedlungen (colonia — municipium, emporium — forum, vicus — pagus) besteht auch die Kategorie der villáé rusticae, d. h. rurale Siedlungen mit wirtschaftlichen, aber auch zugleich residentiellem Charakter. Auf dem Gebiet des Agers der Kolonien von Pula und Parentium gibt es mehr als 200 Fundorte von ruraler Architektur aus dem Altertum, was aber keinesfalls eine endgültige Angabe ist. Zeiht man die erhaltene Dichte der Lokalitäten und die Bodencharakteristika in Betracht, könnte die Durchschnittsgröße eines Guts in Istrien etwa 160 ha, bzw. 640 luger betragen haben. Auf einem solchen Besitz konnten aufgrund bestimmter Berechnungen etwas über 100 Menschen gelebt haben.
Großgrundbesitze von mehr als 5.000 luger (latifundia) stellen ein Problem besonderer Art dar sowohl vom Standpunkt der Historiographie (die Frage der Zuverlässigkeit und der Interpretation von Angaben aus geschriebenen Quellen aus dem Altertum) als auch der Archäologie (die Konkretisierung der historiographischen Angaben). Großgrundbesitze haben sich auf dem Gebiet des Agers in der Kolonie von Parentium im 1. nachchristlichen Jahrhundert eigebürgert, Da werden in großer Anzahl von Inschriften verschiedene Arten von Beamten auf kaiserlichen Besitztümern erwähnt, was auf das Vorhandensein auch von kaiserlichen Besitzen hinweist.
Leider kann man aufgrund der archäologischen Reste vor Ort nicht klar die Arten der Bauten unterscheiden, beziehungsweise bestimmen, zu was für Gütern sie gehört haben. Von etwa 200 ruralen Lokalitäten sind nur an die 20 archäologisch erforscht, einige auch nur teilweise. Die häufigsten Funde sind Reste von öl- oder Weinpressen, die sich manchmal oberhalb der Meeresoberfläche oder direkt am Ufer befinden (S. Polo bei Rovinj, Soruga bei Bali, Sv. Marija bei Galižana usw.).
Zu den archäologischen Funden mit wirtschaftlichen Charakter zählen auch Reste von Hafenanlagen, Kaimauern, Anlegeplätzen, Wellenbrechern usw. Sie sind längs der ganzen Westküste von Istrien in fast jeder geeigneten Bucht zu finden, besonders dort, wo die Dichte der ruralen Architektur überdurchschnittlich groß ist.
Die Schriftsteller aus dem Altertum geben eine Fülle von Angaben über verschiedene Aspekte des Wirtschaftslebens, während sie einige Fragen völlig unberücksichtigt lassen, weil damals genauso wie heute einige Dinge im Leben so offensichtlich sind, daß sie uns absolut selbstverständlich scheinen. Deshalb ist es klar, daß man nur durch gemeinsame, interdisziplinäre Studien solcher Probleme die Kenntnisse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen erweitern kann.

Ključne riječi

Hrčak ID:

327027

URI

https://hrcak.srce.hr/327027

Datum izdavanja:

1.4.1989.

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