Historical Journal, Vol. 42 , 1989.
Conference paper
DIE OSMANEN UND DER BALKAN ZUR ZEIT DER ERSTEN STUFE SEINER BESETZUNG
Ljubiša Doklestić
Abstract
In Anatolien begannen sich in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. in den Grenzgebieten zwischen dem Seldschukenstaat und dem Byzantinischen Reich islamisierte turkmenische Krieger, Bauern und nomadisierende Viehzüchter auf ihrer Flucht vor den Mongolen zu gruppieren. Auf dem von Byzanz eroberten Raum wurden zwischen 1260 und 1320 mehrere turkmenische Beyluks gegründet. An der Spitze des westlichsten befand sich der Emir Osman (1281?—1326), dem sich nach dem Sieg über eine byzantinische Einheit eine neue Masse Krieger anschloß. Sein Sohn Urchan (1326—1362), der den Titel Sultan annahm, begann 1352 den südöstlichen Teil Europas zu erobern, und es gelang ihm auch alsbald, in Thrakien Fuß zu fassen. Der Balkan befand sich zu der Zeit im politischen Zerfall. Byzanz wurde gerade von einem Bürgerkrieg erschütert, während sich das bulgarische und das serbische Reich in mehrere Kleinstaaten aufgesplittert hatten. Das war die Voraussetzung für eine schnelle Eroberung des Balkans unter dem Sultan Murad I (1362—1389) und Bajesid I (1389—1402). Die Schlachten an dem Fluß Mariza (1371), auf dem Amselfeld (1389) und bei Nikopoli (1396) waren Versuche, das osmanische Vordringen auf den Balkan zu stoppen. Bis zum Ende des 14. Jhs. haben die Türken außer Kleinasien auch ganz Thrakien, Mazedonien und Bulgarien sowie Teile Griechenlands, Albaniens und Serbiens erobert. Seit 1372 war auch Byzanz türkischer Vasall, später auch viele Staaten am äußeren Rand der eroberten Territorien auf dem Balkan, von Athen im Süden bis Bulgarien und der Walachei im Norden. In der zweiten Hälfte des 14. Jhs. gelang es den Osmanen, ihre Macht auf dem eroberten Teil des Balkans zu festigen durch Ansiedlung von Teilen ihrer Bevölkerung aus Kleinasien, durch die Islamisierung der einheimischen Bevölkerung, die Inkorporierung eines Teils der dort angetroffenen kleinen und mittleren Feudalherren in ihr tymarisch-spahiales System sowie durch die Organisierung der Walachen, d. h. von Viehzüchtern, in eine militärische Ordnung, später in Armatolen.
Nachdem Bajesid I im Jahre 1402 von den Mongolen bei Angora besiegt wurde, kam es in den nächsten 50 Jahren zum Stillstand der Eroberung des Balkan. Obwohl das Osmanische Reich in den ersten zwei Jahrzehnten des 15. Jhs. von den gegenseitigen Kämpfen der Thronprätendenten sowie von einem Bauernaufstand erschüttert wurde, gab es auf dem Balkan keine Kräfte mehr, die sich gleichberechtigt den Osmanen hätten widersetzen können, während Ungarn und Venedig untätig zuschauten. Erst in den 40-er Jahren wurden von Ungarn aus drei Kreuzheere auf den Balkan geschickt. Dieses Unterfangen endete jedoch erfolglos, weil in der Zwischenzeit das Osmanische Reich wiedererstärkt war und sich auf neue Eroberungen des Balkans und des Donaulandes begab.
Keywords
Hrčak ID:
327436
URI
Publication date:
1.4.1990.
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