Historijski zbornik, Vol. 40 , 1987.
Izvorni znanstveni članak
EINIGE GESCHICHTLICHE ENTSTEHUNGS- UND ENTWICKLUNGSASPEKTE DER RÖMISCHEN SIEDLUNG AUF DER LOKALITÄT ZAGREB—STENJEVEC
Zoran Gregl
Sažetak
Dank der günstigen geographischen Lage (die Nahe des Flusses Sava und des Verkehrsweges Aquileia — Emona — Siscia) entstand Mitte des 1. Jhs. nach Chr. auf der Lokalität Zagreb—Stenjevec eine kleine römische Siedlung. Durch Forschungsarbeiten von 1896—1902 und durch Revisionsgrabungen von 1981 bis 1983 wurden schlecht erhaltene Reste von Wohnbau und eine Nekropole mit 128 Gräbern entdeckt. Der Grund, warum die Siedlung so schlecht erhalten ist, durfte darin gesehen werden, daß der erste Steinbau in Stenjevec, eine Kirche, bereits im Jahre 1334 erwähnt wird, so daß mit Sicherheit anzunehmen ist, daß für den Bau der Kirche als auch für einige ältere Gebäude Stein von den Ruinen der Siedlung aus der Antike benutzt wurde. Aus diesem Grund konnten die meisten Angaben uber die soziale und ethnische Struktur der Einwohner, über die wirtschaftlichen Verhältnisse und Handel aufgrund der Analyse des in den Gräbern gefundenen Materials und dem Vergleich desselben mit Geschriebenen Quellen gewonnen werden.
Die Siedlung in Stenjevec entstand zur Zeit des Kaisers Claudius, erlebte seinen höchsten Aufschwung in der Epoche der Flavier und wird in der markoman-nischen Kriegen zerstört. Das Fehlen jeglicher Waffen in der Gräbern, zeigt, daß es sich um eine rein zivile Siedlung handelt, und die Grabbeigaben weisen darauf hin, daß es eine ausgeprägte autochthone Komponente gab. 61% der Keramik wurde in lokalen Werkstätten hergestellt (Gruppe A), 25,9% ist aus Norditalien importiert (Gruppe B), während 7,1% (Gruppe C) in Pannonien hergestellt wurde, allerdings nach italischen Vorbildern (siehe Tabelle III). Bei den Fibeln ist dieses Verhältnis noch deutlicher auszumachen: 95,4% können als lokale Produktion angesehen werden und nur bei 4,6% handelt es sich um Importe. Die prähistorische Tradition ist auch bei der Form der Gräber gut sichtbar: 79,% der Gräber weisen eine autochthone Form auf, 3,2% sind neue, italische Formen. Alle genannten Tatsache gestatten die Schlußfolgerung, daß die ethnische Struktur der Bevölkerung auch nach der Gründung der römischen Provinz Pannonien fast unverändert geblieben ist. Die Siedlung in Stenjevec war von Varcianern bewohnt, einem Stamm, dessen Ursprungsgebiet in ungefähr dem Areal der heutigen Stadt Zagreb entspricht. Es ist auch zu bemerken, daß der Stand der Romanisierung unterschiedlich war: am stärksten in großen urbanen Zentren, Handelszentren u.ä., während sich in den übrigen Regionen die neue Kultur auf autochthonen, vorgeschichtlichen Fundamenten entwickelte.
Da in der frühen Kaiserzeit in Pannonien die Glasproduktion noch nicht entwickelt war, müssen alle gefundenen Glasgegenstände in der Nekropole Zagreb—Stenjevec aus anderen Teilen des Reiches herangeschafft worden sein: aus Norditalien, Gallien, Syrien usw., was einen Beiweis für den hochentwickelten Handel und ein gutes, alle Teile des Reiches verbindendes Verkehrsnetz darstellt.
Leider ist es mangels Schriftdenkmäler aus Stein nicht gelungen, den Namen dieser Siedlung in dem Altertum festzustellen, wir sind aber trotzdem der Meinung, daß die Lokalität Zagreb—Stenjevec zu den bedeutendsten archäologischen Fundorten in Nordkroatien gezählt werden kann.
Ključne riječi
Hrčak ID:
326949
URI
Datum izdavanja:
1.4.1988.
Posjeta: 464 *