Original scientific paper
https://doi.org/10.29162/ANAFORA.v12i2.3
Krise und Selbstzerstörung: Ambivalente Figuren der Wende
Hajnalka Halász
orcid.org/0000-0002-9146-805X
; Humboldt University of Berlin, Berlin, Germany
Abstract
Der Beitrag untersucht die Begriffe Krise (im Anschluss an Koselleck) und Selbstzerstörung als ambivalente Figuren der Wende: Situationen struktureller Unentscheidbarkeit, in denen Untergang und Erneuerung gleichermaßen möglich sind. Methodisch verbindet der Beitrag Begriffs- und Wissensgeschichte mit einer sprachtheoretischen Perspektive und rekonstruiert drei disziplinäre Leitbegriffe: kreative Zerstörung (Ökonomie), Todestrieb (Psychoanalyse) und Autoimmunität (Immunologie). Diese beschreiben Vorgänge, in denen sich Systeme gegen sich selbst wenden; ihre Bewertung schwankt zwischen produktiver und destruktiver Deutung und erfolgt oft in einer moralischen Für/Gegen-Logik. Am Fall Anthropozän zeigt der Beitrag das Ineinandergreifen wörtlicher Selbstzerstörungsnarrative (ökologische Zerstörung) und sprachtheoretischer Lesarten (dekonstruktive Selbstzerstörung metaphysischer Begriffe). Die Wertzuschreibungen variieren mit disziplinären, historischen und rhetorischen Grenzen, sind aber nicht deckungsgleich; Selbstzerstörung bleibt strukturell ambivalent und lässt sich nicht verlässlich als kreative Zerstörung instrumentalisieren. Vorgeschlagen wird eine doppelte Analytik, die historische Alterität und sprachliche Performativität verschränkt, um die risikoreiche Figur der Wende als Kern moderner Krisen- und Selbstzerstörungsdiskurse freizulegen.
Keywords
Selbstzerstörung, kreative Zerstörung, Todestrieb, Autoimmunität, Anthropozä
Hrčak ID:
342956
URI
Publication date:
30.12.2025.
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