Original scientific paper
https://doi.org/10.29162/ANAFORA.v12i2.5
Die Unausweichlichkeit von Krisen. Literarische Bilder von Krise und Katastrophe bei Christoph Ransmayr
Bernadetta Matuszak-Loose
orcid.org/0000-0001-5448-7916
; Adam Mickiewicz University in Poznań, Poznań, Poland
Abstract
Den Kern des Krisenbewusstseins der Menschheit bildet eine erlebte Bedrohung der menschlichen Existenz, da die Spätfolgen einer Katastrophe der ungezügelten Zivilisation den Lebensraum zerstören. Im Gegensatz zu den in der Bibel prophezeiten Plagen oder lebensbedrohlichen Naturkatastrophen im frühen Anthropozän ist der Mensch in der Folgezeit für die langfristigen Folgen der Umweltzerstörung mitverantwortlich. Der Klimawandel wird als Krisenstimmung mit unabwendbaren Folgen angesehen. Diese schleichenden Veränderungen, deren endlose Kette vom Ausmaß der Umweltzerstörung zeugt, werden von Eva Horn als eine „Katastrophe ohne Ereignis“ charakterisiert. In Bezug auf Naturkatastrophen als Folge des Klimawandels ist das nicht mehr der Fall, der Mensch fühlt sich aber zudem wenig verantwortlich, auch weil sich die katastrophalen Naturphänomene nicht eindeutig als Konsequenzen der industriellen Entwicklung einordnen lassen. Literarische Ökokritik und das Schreiben im Zeitalter des Anthropozän dagegen versuchen, die Verantwortung in diesem globalen Krisengefühl zu übernehmen, nicht nur Veränderungen in den Beziehungen zwischen der menschlichen und nichtmenschlichen Welt zu beschreiben, sondern auch Szenarien zur Bewältigung der Umweltkrise zu entwerfen. Der Beitrag berücksichtigt hauptsächlich Texte von Christoph Ransmayr, um Eigenschaften, Funktionen und Motivationen bei einer definitorischen Annäherung des Begriffs „Krise“ darin zu zeigen.
Keywords
Krisen, Katastrophen, Mensch, Natur, Erzählwelten
Hrčak ID:
342958
URI
Publication date:
30.12.2025.
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