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Original scientific paper

https://doi.org/10.21464/sp39205

Integrative Bioethik und die Grundlegung einer neuen Epoche

Ante Čović ; Poljička 6, HR–10000 Zagreb


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page 381-402

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Abstract

Ausgehend von der Unterscheidung zwischen Historie und Geschichte, bestimmt der Verfasser in seiner Arbeit die Historie als den sich ereigneten Teil der Geschichte (res gestae), während Geschichte selbst einen umfänglicheren Begriff darstellt, der in der Zukunftsdimension den sich noch nicht ereigneten, idealen, utopischen Teil geschichtlichen Geschehens einschließt. Einheiten innerhalb von sich ereigneter Geschichte wie auch die gegenwärtige, nach vornehin offene Einheit geschichtlichen Geschehens bezeichnet der Verfasser als Epochen. An die These anknüpfend, dass Geschichte durch Wissen konstituiert werde, führt er als Kriterium zur Unterscheidung geschichtlicher Epochen den dominanten Wissenstyp an, welcher eine Epoche jeweils konstituiert. Die neuzeitliche Wissenschaft als besondere Wissenschaftsform stellt den dominanten Wissenstyp dar, auf dem die Neuzeit als geschichtliche Epoche begründet ist. Hervorgegangen ist sie aus einer großen Erneuerung (instauratio magna) der alten Wissenschaft. Diese Erneuerung inaugurierten Francis Bacon und René Descartes, die als allgemeines ethisches Ziel der Wissenschaft den Nutzen des Menschengeschlechts postulierten, was der Verfasser als „generischen Utilitarismus“ bezeichnet. Auf der Grundlage eines solchermaßen gesetzten ethischen Zieles wird als strategisches Ziel neuzeitlicher Wissenschaft die Naturbeherrschung zum Nutzen des Menschen bestimmt. Die Geschichte der Neuzeit erfolgte im Grunde als die allmähliche Loslösung des strategischen Zieles der neuzeitlichen Wissenschaft von ihrem ethischen Postament, bis Ziel und Postament sich schließlich an völlig gegensätzlichen Positionen wiederfanden. Konkret bedeutet das, dass sich die Kategorie des generischen Nutzens allmählich zur Kategorie generischer Gefahr wandelte bis hin zu dem Punkt, an dem diese Gefahr offensichtlich und total in Erscheinung trat. Dieser Punkt bedeutete zugleich den Kollaps des Modells wissenschaftlich-technischen Fortschritts und somit das Ende der Neuzeit als geschichtlicher Epoche. Der Autor untersucht ferner die Zeitenwende, an der die Neuzeit endet und eine neue Epoche beginnt. Er definiert sowohl den zeitlichen Rahmen wie auch den „locus der epochalen Veränderung“ und bestimmt somit die ausschlaggebenden wissenschaftlichen Errungenschaften, welche die epochale Veränderung determinieren. Mit diesen Errungenschaften hat die Menschheit, statt des angekündigten Nutzens, die reale Möglichkeit ihrer totalen Selbstauslöschung bekommen. Diese neue Situation, in der sich die Menschheit wiedergefunden hat, offenbart sich in der Begriffstriade Gefahr – Zukunft – Verantwortung, welche die kategoriale Grundlage in den Werken von Hans Jonas und Van Rensselaer Potter darstellt. Nach einer Analyse dieser Begriffstriade im abschließenden Teil dieser Arbeit postuliert der Verfasser als die geistige Aufgabe der Zeit, eine „dritte Wissenschaft“ zu erschaffen, welche als dominanter Wissenstyp, in Synergie mit bioethischer Sensibilität, das Einsetzen einer neuen geschichtlichen Epoche ermöglichen soll, die der Autor als bioethische Epoche bezeichnet.

Keywords

Integrative Bioethik; Pluriperspektivismus; Wissen; Ende der Neuzeit; bioethische Epoche; Gefahr; Zukunft; Verantwortung; Hans Jonas; Van Rensselaer Potter

Hrčak ID:

342336

URI

https://hrcak.srce.hr/342336

Publication date:

29.12.2024.

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